
Dr. Reiner Krieglmeier gibt die Antwort.
Im Juli 2022 erfolgte der erste von 10 Zinsschritten der EZB, in denen der Leitzins bis zum September 2023 von 0 auf 4,5 % angehoben wurde. In den Nullzinsphasen vom Jahr 2015 bis 2022 stellten Anleihen keine attraktive Asseklasse dar. Unternehmensanleihen mit einem Investmentgrade – rating konnten bestenfalls eingesetzt werden, um einen Negativzins der Bank auf das Kontoguthaben zu vermeiden. Selbst Anleihen der Bundesrepublik Deutschland mit einem AAA-Rating waren dazu nicht geeignet. In der Spitze der Niedrigzinsphase rentierte die zehnjährige Bundesanleihe mit ca. minus 1 %. Das heißt, bei Fälligkeit der Anleihe bekam der Investor inklusive aller Zinszahlungen 10 % weniger zurück, als er beim Kauf investiert hatte. Wer im Jahr 2022 trotzdem in Anleihen selbst mit mittlerer Laufzeit investiert war, musste bis zum September 2023 durch die gestiegenen Zinsen empfindliche Kursverluste hinnehmen. Im Nachhinein betrachtet war es besser, den Negativzins auf dem Konto in Kauf zu nehmen, als in Anleihen anzulegen. Aber wer weiß das im Voraus. Der steile Zinsanstieg war beispiellos in der Geschichte.
Aktuell sind Anleihen wieder eine interessante Alternative in der Asset Allokation. Allerdings gilt dies nicht uneingeschränkt. Zum einen ist die Zinsstrukturkurve invers. Zum Beispiel rentiert eine Bundesanleihe mit einer Laufzeit bis Februar 2025 mit rund 3,2 % und das Papier mit einer Fälligkeit im August 2032 mit rund 2,13 %. Würde sich die Zinsstrukturkurve wieder normalisieren, drohen Kursverlust bei Langläufern. Zum anderen wurde im Juni 2024 der Leitzins erstmals wieder gesenkt. Folgen weitere Senkungen, wird sich die Rendite für Kurzläufer bei Wiederanlage verringern. Neben Staatsanleihen mit höchster Bonität stellen auch Unternehmensanleihen eine interessante Assetklasse dar. Allerdings ist dabei zu beachten, dass die Kursentwicklung in Abhängigkeit zur Bonität des Emittenten stark zum Aktienmarkt korreliert sein kann. Auf den ersten Blick haben Unternehmensanleihen mit einem Rating unterhalb von Investmentgrade eine attraktive Rendite. Diese kann zurzeit 3 bis 4 Prozentpunkte über der Rendite von Bundesanleihen liegen. Sollen allerdings Anleihen in der strategischen Asset Allocation zur Diversifikation zum Aktienmarktrisiko dienen, sind diese Anleihe kaum geeignet. Im Falle eines Crashs am Aktienmarkt war in der Vergangenheit nur eine niedrige oder sogar negative Korrelation bei bonitätsstarken Staatsanleihen zu beobachten.
Fazit: Anleihen haben seit einem Jahr wieder eine hohe Bedeutung in der strategischen und taktischen Asset Allocation von Family Offices. Dienen diese zur Diversifikation eines Aktienportfolios, ist eine hohe Bonität des Emittenten wichtig. Zinsänderungsrisiken können dabei durch eine breite Laufzeitenstreuung reduziert werden.
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